… und das Kabarett

Die große Freiheit ist es nicht geworden
Erich Kästner als Kabarettautor

Schärfe und Biss waren von Anfang an grundlegende Elemente von Kästners Gedichten und Texten für Erwachsene. Erst in seinen heiteren Romanen, die während des Dritten Reichs in der Schweiz erschienen, nahm er davon Abstand, um nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wieder zu seiner gewohnten Schärfe zurückzukehren.

Damit war schon durch seine Gedichte eine Nähe zum Kabarett geschaffen worden, die sich bereits Ende der 20er Jahre in der Mitarbeit bei namhaften Berliner Kabaretts wie die “Wilde Bühne” von Trude Hesterberg und “Die Wespen” von Leon Hirsch und Erich Weinert niederschlug. Auch Werner Finck lernte Kästner bereits während dieser Zeit beim Kabarett kennen.

Die Hochphase des Kabaretts kam für Erich Kästner jedoch erst nach dem zweiten Weltkrieg. Er gehörte zu den ersten Textern für die Münchener “Schaubude”, dem ersten Nachkriegskabarett, das zunächst einige seiner älteren Gedichte übernahm und sich schließlich auf neue Kästner-Texte verlassen konnte. Zu den eindrucksvollsten Texte aus dieser Phase zählt noch immer das “Marschlied 45”, über dessen Resonanz die Interpretin Ursula Herking schreibt: “Als ich den letzten Ton des ‚Marschliedes‘ gesungen hatte, sprangen die Menschen von den Sitzen auf, umarmten sich, schrien, manche weinten, eine kaum glaubliche ‚Erlösung‘ hatte da stattgefunden. Das lag nur zum kleinen Teil an mir, es war einfach das richtige Lied, richtig formuliert, richtig gebracht, im richtigen Moment.”

Wieder einmal zeigte sich, dass Erich Kästner wie nur wenige andere Autoren den Nerv der Menschen treffen konnte. Leider war dem Kabarett “Schaubude” nur eine kurze Erfolgszeit gegönnt. Wie viele andere kulturelle Angebot wurde es ein Opfer der Währungsreform. Wollten doch die Menschen nach der Reform zunächst ihre leiblichen Wünsche befriedigen, ehe sie Geld für die geistigen ausgaben.

1951 wurde in München erneut mit Unterstützung Kästners ein Kabarett gegründet. Der Titel des Kabaretts sollte zugleich Programm sein: “Die kleine Freiheit”. Für dieses Kabarett schrieb Kästner in den ersten Jahren regelmäßig Texte, ehe er sich resigniert zurückzog, um sich doch noch seinen gesammelten Werken zu widmen – die dann auch wirklich zum 60. Geburtstag 1959 zum ersten Mal erschienen.