… als Redakteur

„Pinguin“ – Erziehung zu Menschlichkeit und Demokratie
Erich Kästner als Redakteur

veröffentlicht in: Grundschule 7-8/1997, S.14ff

Der Schriftsteller Erich Kästner
Erich Kästner gehörte und gehört wohl zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Es gibt kaum einen Erwachsenen oder zukünftigen Erwachsenen, dem nicht spontan Titel wie „Das fliegende Klassenzimmer“, „Pünktchen und Anton“, „Das doppelte Lottchen“ oder „Emil und die Detektive“ einfallen.
Wenig bekannt ist, dass Erich Kästner auch Literatur für Erwachsene schrieb, sich politisch engagierte und, dass er seine Schriftstellerlaufbahn als Redakteur bei einer Tageszeitung begann. Dass er zu einem der meistgelesenen Kinderbuchautoren avancierte, ist sogar nur dem Zufall zu verdanken, dass Erich Kästner die verwitwete Verlegersgattin Edith Jacobsohn kennenlernte. Hätte sie nicht gesagt: „Schreiben Sie ein Kinderbuch!“1, wäre der Journalist und Redakteur wohl kaum so in Vergessenheit geraten wie es dann geschehen ist.

Erich Kästner als Journalist und Redakteur
Schon während seines Studiums nahm Erich Kästner das Angebot an, als Redakteur beim „Leipziger Tageblatt“ zu arbeiten. Nach Abschluss seiner Promotion 1925 widmete er sich ausschließlich der journalistischen Tätigkeit, u.a. für die „Neue Leipziger Zeitung“. Bereits in diese Zeit fallen seine ersten Aktivitäten im „Jugendjournalismus“. In der Familienzeitschrift „Beyers für alle“ erschien wöchentlich eine Kinderseite von ihm, die sowohl Informationen als auch Spiel- und Bastelanleitungen enthielt und die Leser zur Mitarbeit und Mitbestimmung aufforderte.2
Aufgrund dieser Erfahrungen war es nicht verwunderlich, dass Erich Kästners erstes Engagement in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg dem Journalismus gewidmet war. Das Medium Presse passte in die Zeit: Anfänglicher Papiermangel zwang die von den Alliierten lizenzierten Verlage ohnehin, sich auf Publikationen mit geringem Umfang – Zeitungen eben – zu beschränken. Außerdem war das große Interesse an Informationen und Neuigkeiten in der Bevölkerung neben der Wochenschau nur mit Hilfe der Presse zufrieden zu stellen.
Zunächst wurde Kästner gebeten, die Feuilleton-Redaktion bei der „Neuen Zeitung“ in München zu übernehmen. Und beginnend mit dem ersten Heft im Januar 1946 betreute er zeitgleich die Herausgabe der Jugendzeitschrift „Pinguin“.
Mit diesem Engagement, das Kästner trotz der großen Enttäuschung über Deutschland aufbrachte, wurde er seinem eigenen hohen Anspruch gerecht:

  • „Wer jetzt an seine gesammelten Werke denkt statt ans tägliche Pensum, soll es mit seinem Gewissen ausmachen. Wer jetzt Luftschlösser baut, statt Schutt wegzuräumen, gehört vom Schicksal übers Knie gelegt. Das gilt übrigens nicht nur für Schriftsteller.“3

Kästners Energie, zur Aufklärung und Umerziehung der Deutschen beizutragen, wurde jedoch schon nach kurzer Zeit von Resignation aufgesogen. Die Ignoranz der Bevölkerung, Denunziationen und nicht zuletzt der Beginn des Kalten Krieges führten 1947 dazu, dass er seine Tätigkeit bei der „Neuen Zeitung“ aufgab und 1949 die Herausgabe der Zeitschrift „Pinguin“ anderen überließ.

Die Jugendzeitschrift „Pinguin“ im allgemeinen
Die Jugendzeitschrift „Pinguin“ ist im Katalog zahlreicher anderer Zeitschriften für junge Menschen zu sehen, mit denen in der Nachkriegszeit versucht wurde, die in der nationalsozialistischen Ideologie Erzogenen an neue offene Werte und Lebensformen heranzuführen.
Der „Pinguin“ hebt sich durch zwei äußere Merkmale von diesen Markt ab. Zum einen erschien die Zeitschrift im renommierten Rowohlt-Verlag, der zur gleichen Zeit durch die Entwicklung seiner Rotationsromane (rororo) von sich  reden machte. Außerdem wurde die Zeitschrift von einem Autor herausgegeben, den viele Jugendliche kannten, gehörten doch die Jugendbücher Kästners nicht zu seinen verbotenen Werken. Da nicht bekannt ist, wie es zu der Zusammenarbeit oder überhaupt zu der Zeitschrift kam4, kann heute nur aus dem überlieferten Ausspruch eines Lesers die Schlußfolgerung gezogen werden, dass das Konzept aufgegangen ist:

  • „Fragt man heute einen wie mich, der mit sechzehn Jahren noch im Krieg dabei war, was einem an dieser schönen Zeitschrift so imponierte, so ist die Auskunft ganz einfach: ‚Daß EK der Herausgeber war.'“5

Die Zeitschrift umfasste in der Regel jeweils 32 Seiten zzgl. 4 Umschlagseiten, die zum größten Teil für redaktionelle bzw. inhaltliche Beiträge verwendet wurden. Werbung fand sich nur auf einigen Seiten in der inneren zweiten Hälfte des Heftes – anders als in heutigen Zeitschriften, bei denen gerade die Rückseiten beliebte Werbeträger sind.
Zunächst gab es im Impressum lediglich einen Hinweis auf die Herausgeberschaft Erich Kästners, erst ab der Ausgabe 10/46 wurden auch Mitarbeiter und Autoren erwähnt und/oder vorgestellt. Und in der Ausgabe 4/48 findet sich neben Erich Kästner Chefredakteurin Claire With als verantwortliche Mitarbeiterin. Inwieweit sie faktisch bereits bei früheren Heften die inhaltliche Verantwortung hatte, lässt sich heute aufgrund der fehlenden Unterlagen nicht mehr feststellen. Da Erich Kästner in Texten und Briefen jedoch die Zeitschrift erwähnt, kann man davon ausgehen, dass er sie als sein Projekt sah und sich dort auch wirklich engagierte:

  • „Am 1. Januar 1946 erschien bei Rowohlt in Stuttgart das erste Heft des ‚Pinguin‘, unserer Jugendzeitschrift'“.6
    „Besprechungen in Stuttgart wegen der Gründung einer Jugendzeitschrift“.7

Und in einem Brief an seine Mutter:

  • „Hast Du im ‚Pinguin‘ die Fotos ‚Verlorene Kinder‘ gesehen? Dadurch haben mehrere Eltern schon ihre kleinen Kinder wiedergefunden. Da zu helfen, macht große Freude!“8

Für Kästners persönliches Engagement spricht darüber hinaus das Ergebnis einer Analyse der journalistischen Qualität von Jugendzeitschriften der Nachkriegszeit. Während die inhaltlichen Schwerpunkte des „Pinguin“ sich mit denen der anderen Zeitschriften vergleichen lassen, ist das journalistische Niveau deutlich höher, da auf eindeutige pädagogische Ansprachen verzichtet wird und die Artikel feuilletonistisch gestaltet und Themen sorgfältig aufbereitet sind.9
Dies zeigt sich auch an der ausgewogenen Mischung von Information und Unterhaltung, Text und Bild bzw. Zeichnung, Thematisierung von Vergangenheit und Zukunft, Sport und Kultur, Sehenswürdigkeiten Deutschlands und anderer Länder.
Es lässt sich nicht genau belegen, wann Kästner sein Engagement für die Zeitschrift endgültig aufgab. In der wenigen Sekundärliteratur über die Zeitschrift finden sich Hinweise wie „1947 gab er die Redaktionstätigkeit auf“10 und „Kästner führte die Herausgeberschaft über den ‚Pinguin‘ vom März 1946 bis zur Währungsreform von 1948“11. Welche Angaben richtig sind, ist wohl nicht mehr zu klären, fest steht, dass Kästner im Impressum bis zur Ausgabe 6/49 als Herausgeber geführt wird. Danach übernimmt Chefredakteurin Claire With die Zeitschrift, die zur gleichen Zeit von einem anderen Verlag, Curt E. Schwab, publiziert wurde. Auch an Äußerlichkeiten lässt sich ein Wechsel dokumentieren, der Untertitel ändert sich schon im Sommer 1948 und mit der Übernahme durch Claire With und den Schwab-Verlag erhält die Zeitschrift das Aussehen einer Illustrierten im üblichen Stil. Zu Beginn der 50er Jahre wurde das Erscheinen des „Pinguin“ schließlich eingestellt.

Zu den Inhalten des „Pinguin“
Die folgenden Ausführungen basieren auf der Analyse, die ich im Rahmen meiner Dissertation über den „Pinguin“ vorgenommen habe.12 Dazu wurden alle Zeitschriften, die in Kästners Verantwortung erschienen sind, analysiert.
Wie bereits erwähnt, handelte es sich bei den Berichten in der Zeitschrift um eine Mischung aus Unterhaltung und Information, es gab zahlreiche regelmäßige Kolumnen wie

  • „Die guten Taten“: Berichte von Leserinnen und Lesern über gute Taten, die ihnen widerfahren waren und die dokumentierten, dass es das Gute im Menschen nach jahrelang erlebter Unmenschlichkeit noch gab;
  • „Dokumente und Grundlagen der Demokratie“: Informationen über die Verfassungen der Alliierten und anderer demokratischer Länder;
  • „Pinguins ABC der Gesundheit“: Erläuterungen von Krankheitsbildern und Tips zur schnellen Abhilfe bei kleinen Unpäßlichkeiten;
  • „Pinguin lacht“: Die letzte Seite enthielt jeweils Cartoons und Bildgeschichten mit aktuellem Bezug;
  • „Pinguins Tribüne: Briefe und Stimmen unserer Zeit“: Leserbriefe;
  • „Verlorene Kinder suchen ihre Eltern“: In der Zeitschrift und auf Plakaten wurden in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Roten Kreuz Fotografien von Kindern veröffentlicht, die ihre Eltern in den Kriegswirren verloren hatten;
  • „Was meinst Du dazu?“: Auf zwei gegenüberliegenden Seiten finden sich Collagen aus Zeitungsartikeln, auf einer schwarz unterlegten Seite wird die Dummheit und Unmenschlichkeit der Menschen beklagt und auf einer Seite mit weißem Hintergrund und dem Vermerk „Bravo, bravo!“ finden sich Meldungen, die nachahmens- und lobenswert erscheinen.

Über diese Serien hinaus finden sich in der Zeitschrift Reportagen über andere Länder, deren Landschaften, Geschichte und Traditionen sowie Artikel über Deutschland in Gegenwart und Vergangenheit und das Leben in Not oder mit dem Nötigsten in diesem Land. Film-, Theater-, Musik- und Kunstkritiken fehlen ebensowenig wie Kurzgeschichten oder Romanauszüge.

Eine kürzere Reihe „Recht und Gesetze“ erläuterte Recht und Unrecht bzw. die juristischen Zusammenhänge in Straf- oder Zivilprozessen.

Zu den wiederkehrenden und augenfälligsten Genres gehört in dieser Zeitschrift die Bildergeschichte bzw. der Cartoon. Er findet sich nicht nur auf der Rückseite, sondern zuweilen auch im Heft und greift jeweils eine besondere Problematik auf. Auffällig ist die Kontinuität, die durch den Zeichner gewährleistet war, dies ist bei keinem anderen Mitarbeiter der Fall. Während die Autoren der Artikel immer wieder wechseln, finden sich stets aufs Neue Bildergeschichten von Manfred Schmidt, der auch heute noch durch Nick Knatterton eine gewisse Berühmtheit besitzt. Nicht zuletzt diese Cartoons erwecken heute den Eindruck von Aktualität bei der Durchsicht der Zeitschrift.

Erich Kästner als Herausgeber des „Pinguin“
Die Zeitschrift „Pinguin“ scheint für Kästner nach dem von ihm lang ersehnten Zusammenbruch der Herrschaft der Nationalsozialisten eine Möglichkeit, die junge Generation an andere Ideale und Lebensvorstellungen heranzuführen. Nicht umsonst heißt es auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe: „Ich will Euch begeistern für all das, was wir tun können, um uns selbst ein besseres Leben zu schaffen.“13
Manchem mag es seltsam erscheinen, dass Kästner mit Erziehung in Verbindung gebracht wird, doch die Erinnerung an „Das fliegende Klassenzimmer“, in dem ein überaus verständnisvoller Pädagoge agierte, zeigt schon, dass Kästner auch hier Ideale hatte. Und schließlich skizzierte er sich in einer Rede selbst als „Schulmeister“:

  • „Unser Gast, meine Damen und Herren, ist gar kein Schöngeist, sondern ein Schulmeister! Betrachtet man seine Arbeiten – vom Bilderbuch bis zum verfänglichsten Gedicht – unter diesem Gesichtspunkte, so geht die Rechnung ohne Bruch auf!“14

Finden sich Erich Kästners Vorstellungen von Erziehung, von Kindheit und Jugend, von der idealen Gesellschaft in der Zeitschrift wieder, lautete daher zurecht die Frage, der ich mich in meiner Dissertation angenähert habe. Zur Beantwortung mussten zunächst Kästners Erziehungsideale zusammengetragen werden. Eine Auflistung und Darlegung der Herleitung würde der Rahmen dieser Arbeit sprengen, daher beschränke ich mich hier auf die kurze Gegenüberstellung einiger Ziele mit den Ergebnissen meiner Analyse:

* Entwicklung einer persönlichen und nationalen Identität: Mit Reflexionshilfen, Vermittlung von Vorbildern, Pro & Contra-Abhandlungen zu identitätsrelevanten Fragen wie der Geschlechtsrollenfindung gab die Zeitschrift Hilfestellung bei der Suche nach der persönlichen Identität. Bei der Entwicklung einer nationalen Identität halfen einige wenige Artikel über die Schönheiten Deutschlands; dieser Bereich rückte im Vergleich zur persönlichen Identität allerdings eher in den Hintergrund.

* Berücksichtigung der Vergangenheit für das gegenwärtige und zukünftige Verhalten: Kästner war die Aufarbeitung und Reflexion der Vergangenheit ein besonderes Anliegen, daher enthält auch der „Pinguin“ ganz unterschiedliche Beiträge zur Vergangenheitsbewältigung und zum Lernen aus Vergangenem. Berichte über die Geschichte der Menschheit im allgemeinen, über die jüngste deutsche Vergangenheit wurden verknüpft mit Schilderungen von Menschen, die aus der eigenen oder gesellschaftlichen Vergangenheit Lehren gezogen haben.

* Perspektivische, die Belange anderer Menschen und die Zukunft einbeziehendes Denken: Kästner ärgerte sich über ignorante, egoistische Menschen, die nur an ihr kurzes persönliches Wohlbefinden denken. In Gerichtsprotokollen und literarischen Texten erfuhren die Leserinnen und Leser des „Pinguin“ als Abschreckung und Denkhilfe, wohin ein solches Denken den einzelnen und die Gesellschaft führen würde.

* Mut und selbstbewusstes Handeln: Zivilcourage gehörte zu den bevorzugten Eigenschaften, die Kästner schätzte und die er Kindern und Jugendlichen nahe bringen wollte. So finden sich auch im „Pinguin“ literarische Texte und Porträts über Menschen, die aufgrund ihrer Zivilcourage, ihres Mutes und selbstbewussten Handelns erfolgreich waren oder auch den Tod gefunden haben – gerade unter der Herrschaft der Nationalsozialisten.

* Kritische Urteilsbildung: „Mißtraut gelegentlich Euren Schulbüchern!“15 fordert Kästner die Schüler in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“ auf. Nachdem er selbst die unkritische Übernahme rechter Gedanken erlebt hatte, war ihm die Kritikfähigkeit ein hohes Gut geworden. In der Zeitschrift wurde daher schon früh zur Meinungsbildung aufgefordert. Dies wurde durch Kurzfragebögen zu aktuellen Themen wie der Schulreform initiiert oder auf der Leserbriefseite besonders unterstützt.

* Menschlichkeit: Nach dem unmenschlichen zwölfjährigen Regime schien Kästner die Vermittlung und Anregung von Menschlichkeit ein besonders notwendiges Ziel. Es gehört wohl zu den häufigsten Inhalten des „Pinguin“ und findet sich in Aktionen wie „Verlorene Kinder suchen ihre Eltern“ (s.o.) ebenso wieder wie in „Die guten Taten“ (s.o.) oder literarischen Texten und Reportagen. Beispiele für fehlende Menschlichkeit sollten erschrecken, aufrütteln und zum Nachdenken über eigenes Verhalten anregen.

* Toleranz: Nicht erst, aber besonders nach der menschenverachtenden Ideologie schien die Vermittlung von Toleranz ein besonders wichtiges Ziel. Toleranz, die im Kleinen beginnt, z.B. in der Akzeptanz des anderen Kunstgeschmacks. An solchen und ähnlichen Beispielen machte der „Pinguin“ deutlich, wie gefährlich es werden konnte, intolerant zu sein.

* Demokratie als Lebens- und Regierungsform: Demokratie hieß die neue Form des politischen Zusammenlebens, die u.a. auf Toleranz aufbaute. Umso wichtiger war es, demokratische Grundelemente zu vermitteln, was der „Pinguin“ zum einen durch sachliche Information über demokratische Verfassungen und zum zweiten auf seine typische und versierte Art mit Bildergeschichten und Portraits anstrebte.

Für jedes dieser ausgewählten Ziele und ihre Umsetzung konkrete Bespiele zu bringen, würde leider den Rahmen der Arbeit sprengen. Das ist insofern bedauernswert als sich diese Zeitschrift gerade dadurch auszeichnet, dass sie Texte und Cartoons erhält, die eine erschreckende Aktualität in den neunziger Jahren besitzen.

Erich Kästners Ideale heute
Erich Kästner nannte das soeben beschriebene Phänomen „chronische Aktualitäten“16 und sicher würde es ihn erschrecken, aber nicht verwundern, dass die Inhalte der Zeitschrift, die unter seiner Verantwortung herausgegeben wurde wieder aktuell sind:

  • Noch immer gehört Toleranz nicht zum selbstverständlichen Denken aller.
  • Selbst Politiker denken oft nicht über ihre Zeit hinaus in die Zukunft hinein und/oder basierend auf den Erkenntnissen der Vergangenheit.
  • Selbstbewusstsein wird zwar als „Wundermittel“ der Sucht- und Gewaltprophylaxe gepriesen, doch selbstbewusste Kinder, die ihre Rechte einfordern, scheint niemand so recht zu wollen.

Vielleicht ist es wieder an der Zeit, dass sich Medien, die junge Menschen interessieren, dieser Erziehungsziele annehmen und Hilfe zur Selbsterziehung leisten. Aber leider ist Idealismus in einer vom Markt bestimmten Medienlandschaft selten geworden – oder er kommt bei den Medienkindern von heute nicht an. Aber wie sagte Erich Kästner noch: „Resignation ist kein Gesichtspunkt!“17 Sehen wir den Aktualitäten ins Auge, schieben wir den Traum von den gesammelten Werke beiseite und machen wir uns ans Werk.

Anmerkungen
1Das Kästnerbuch. Von und über Erich Kästner in Texten und Bildern. Hrsg. Sylvia List. München; Zürich: Piper 19874, S.91
2vgl. Bemmann, Helga: Humor auf Taille. Erich Kästner – Leben und Werk. Berlin: Verlag der Nation 1983, S.69
3Kästner, Erich: Gesammelte Schriften Bd.7 Vermischte Beiträge II. München; Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur 1969 (Lizenzausgabe), S.77
4Nach einer Auskunft des Rowohlt-Verlages, die ich bei der Recherche für meine Dissertation über den „Pinguin“ erhielt, sind alle Unterlagen über die Zeitschrift inkl. der Archivexemplare bei einem Brand im Archiv zerstört worden.
5Sauer, Georg: Bei Durchsicht meiner Bücher. In: Erich Kästner 1899 – 1989. Frankfurt a.M.: Stadt- und Universitätsbibliothek 1989, S.16
6Das Erich Kästner Lesebuch. Hrsg. Christian Stich. Zürich: Diogenes 1978, S.171
7a.a.O.
8Kästner, Erich: Mein liebes gutes Muttchen, Du! München: Albrecht Knaus 1981, S.286
9vgl. Hussong, Martin: Jugendzeitschriften von 1945 bis 1960. Phasen, Typen, Tendenzen. In: Doderer, Klaus (Hrsg.): Zwischen Trümmern und Wohlstand: Literatur der Jugend 1945 – 1960. Weinheim; Basel: Beltz 1988, S.541ff
10Kästner, Erich; Enderle, Luiselotte: Erich Kästner. Leben und Werk. München 1967, S.13
11Bemmann a.a.O., S.400
12Ebbert, Birgit: Erziehung zu Menschlichkeit und Demokratie. Erich Kästner und seine Zeitschrift „Pinguin“ im Erziehungsgefüge der Nachkriegszeit. Frankfurt o.a.: Peter Lang 1994, S.136ff
13Pinguin 1/46, S.U1
14„Kästner über Kästner“; in: Gesammelte Schriften a.a.O., Bd.7, S.297f
15„Ansprache zum Schulbeginn“; in: Gesammelte Schriften a.a.O., Bd.7, S.182
16zit.n. Bemmann a.a.O., S.385
17„Ostermarsch 1961“; in: Das Kästnerbuch a.a.O., S.476