… als Student

Haltet das Katheder weder für einen Thron noch für eine Kanzel!
Erich Kästner als Student

Nach dem Krieg stand für Kästner fest, dass er nicht einer der Lehrer werden wollte, die auf Grund ihrer eigenen Erziehung zum Gehorsam nur gehorsame und duldsame Schüler erziehen konnten.

In seinen Kindheitserinnerungen “Als ich ein kleiner Junge war” zieht der Autor ein Fazit aus seiner erste Unterrichtsstunde als Lehrer: “Ich war kein Lehrer, sondern ein Lerner. Ich wollte nicht lehren, sondern lernen. Ich hatte Lehrer werden wollen, um möglichst lange ein Schüler bleiben zu können. Ich wollte Neues, immer wieder Neues aufnehmen und um keinen Preis Altes, immer wieder Altes weitergeben.” Er wollte auf “einem Gymnasium das Abitur machen und dann studieren”, was ihm dank eines Stipendiums der Stadt Dresden und dank des unerschütterlichen Optimismus seiner Mutter ermöglicht wurde.

Frohen Mutes schrieb sich Kästner im Wintersemester 1919 an der Universität in Leipzig für die Fächer Germanistik, Theatergeschichte, Philosophie und Geschichte ein und machte sich zusammen mit seiner Mutter auf die Suche nach einem möblierten Zimmer. Der Lerner begann mit dem großen Lernen, genoss zunächst die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Themen und studierte zwischendurch in Rostock und Berlin.

Schließlich reichten das Stipendium und der Zuschuß der Eltern jedoch nicht mehr aus, um das Studium zu finanzieren. Da passte es gut, dass Professor Köster ihm 1923 eine Assistentenstelle anbot, die zwar gering, aber immerhin bezahlt wurde. Also zog Erich Kästner wieder nach Leipzig, um sein Studium zu beenden.

Die ersten Anzeichen der Inflation machten sich aber auch hier bemerkbar. „Sehr bald konnte ich mir für das monatliche Stipendium knapp eine Schachtel Zigaretten kaufen. Ich wurde Werkstudent, das heißt, ich arbeitete in einem Büro, bekam als Lohn am Ende der Woche eine ganze Aktenmappe voll Geld und mußte rennen, wenn ich mir dafür was zu essen kaufen wollte. An der Straßenecke war mein Geld schon weniger wert als eben noch an der Kasse. Es gab Milliarden – ja sogar Billionenscheine…. Das war 1923. Studiert wurde nachts.“
(In: Die chinesische Mauer in: Der tägliche Kram, S.65)

Der Student schrieb Adressen beim Leipziger Messeamt, stand in den Messehallen und arbeitete als Hilfsbuchhalter bei der Städtischen Baugesellschaft. Daneben studierte er, dichtete und versuchte, seine ersten Texte zu veröffentlichen. Und damit schuf er sich den Grundstein für eine sichere Finanzierung des Studiums und seine Karriere als Journalist und Schriftsteller. Als er 1925 seine Promotionsurkunde erhielt, arbeitete er bereits für verschiedene Redaktionen und konnte seine Mutter vom Redakteursgehalt zu seiner ersten Auslandsreise einladen.