… als Preisträger

Ihr Lob war zwei bis drei Hutnummern zu groß
Erich Kästner als Preisträger

57 Jahre war Erich Kästner, als ihm 1956 von der Stadt München sein erster Literaturpreis verliehen wurde. Wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr seine größte Schaffenszeit schon lange vorbei war, scheint es verwunderlich, dass er außer eine ehrenden Erwähnung beim Kleist-Preis 1929 noch keine offizielle Anerkennung erfahren hat. Ein Blick auf seine Biographie erklärt dies jedoch, stoppte doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 seine Schriftstellerlaufbahn. Gerade zu der Zeit als er auf ein preiswürdiges Werk zurückblicken konnte, wurden seine Bücher nicht geehrt, sondern verboten und verbrannt.

Umso erstaunlicher ist es, dass nach diesem ersten Preis 1956 plötzlich eine Ehrung der anderen folgte . So konnte Kästner noch miterleben, dass er zu den geachteten Bürgern und geehrten Schriftstellern jenes Landes gehört, in dem seine Bücher verbrannt wurden und er selbst zwölf Jahre eine unerwünschte Person war. Sein Lebensziel, berühmt und bekannt zu werden, hat er also in jedem Fall noch zu Lebzeiten erreicht.

1957 wurde ihm in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis verliehen, für den er sich mit einer Laudatio auf Büchner und einer Erinnerung an die “literarische Feuerbestattung” im Mai 1933 bedankte.

Dem großen Bundesverdienstkreuz 1959 folgten 1960 die Verleihung der Hans Christian Andersen-Medaille in Luxemburg, ein japanischer Jugendliteraturpreis 1962 und der Literaturpreis der Deutschen Freimaurerloge mit dem Lessing Ring 1968.

Nach Max Tau war Erich Kästner der zweite, der diese Ehrung der Freimaurer erhielt. In der Begründung heißt es, der Preis werde ihm verliehen
“…weil Erich Kästner durch sein literarisches Werk als unbequemer Moralist mutig den Gedanken der persönlichen Freiheit als eines entscheidenden Menschenrechts vertreten hat,
… weil er nicht müde wurde, sich mit Nachdruck zu dem Gedanken der Würde und der Achtung menschlichen Lebens zu bekennen,
… weil er als unerbittlicher Wahrheitssuchender mutig gegen jeglichen Meinungsterror aufgetreten ist,
… weil er in seiner Person die Einheit von Mensch und Werk überzeugend vorgelebt hat.”

Erich Kästner antwortet auf die Grußreden mit einem Rückblick in Bezug zur aktuellen Zeit. Er erinnert an das Dritte Reich und warnt vor dem Wiederaufleben der NPD und er mahnt alle ein letztes Mal, Zivilcourage zu zeigen, um den Anfängen zu wehren.

Aber auch außer solchen Preisen werden Erich Kästner einige Ehrenmitgliedschaften zuteil wie die Ehrenpräsidentschaft des PEN-Zentrums (West) – ihm und uns sollte dies vor allem zeigen, dass Erich Kästner einer der großen Schriftsteller unseres Jahrhunderts ist.

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